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Stanhope Pressen von Dingler

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(Zweibrücker Industriekultur - Klaus Meissner - August 2025)

Wie kam die Stanhope Presse nach Deutschland?

Interessanterweise hatte hier der Erfinder der Schnellpresse Friedrich Koenig seine Hand im Spiel. Er beschaffte 1817 eine Stanhope Presse für den Oberhofbuchdrucker Decker in Berlin.

Wie die erste Stanhope Presse in die Druckerei von Georg Ritter in Zweibrücken kam, ist nicht bekannt. Es heisst, dass Ritter mit einer Stanhope Presse die zweite Auflage des unierten Gesangbuchs „im doppelten Formate druckte“, das wäre dann im Jahre 1824 der Fall gewesen. Wann genau Dingler mit dem Bau der Stanhope Presse begann ist unklar, es findet sich bei André im „Hesperus“ vom 11.05.1829 ein Artikel vom 15.04.1829 aus Zweibrücken über den Buchdrucker Ritter1). Darin wird erwähnt, dass Ritter 7 Pressen betreibt, darunter 2 Stanhope Pressen gebaut (und vervollkommnet) von Christian Dingler außerdem ist eine Columbia Presse für Ritter in der Werkstat in Arbeit. In derselben Ausgabe ist eine Werbeanzeige von Dingler enthalten, die auch Preise für Stanhope und Columbia Presse nennt.

Die Wirth'sche Stanhope Presse

wirths_stanhope_1932.jpgIn Homburg (Saar) steht im Siebenpfeiffer-Haus eine Tiegeldruck-Presse der Bauart „Stanhope“, die dem Juristen, Schriftsteller und Politiker Johann Georg August Wirth (1798 - 1848) zugeordnet wird. Die Geschichte dieser Presse ist eng mit der Demokratiebewegung des Vormärz verbunden2), daher wurde sie von Mai bis November 2025 in der bayerischen Landesausstellung in Regensburg gezeigt.

Auf unserem Youtube Kanal sind zwei Vorträge zu der Wirth`schen Presse verfügbar.

Diese Presse ist eine der ersten Pressen von Christian Dingler. Sie trägt keine gegossenen Verzierungen auf dem Rahmen, wie sie später für Pressen von Dingler typisch sind. Ein Maschinenschild ist nicht (mehr) vorhanden, daher ist die Baunummer unbekannt. Nach Angaben des graphischen Instituts in Saarbrücken, wo die Presse von 1929 bis 1932 zur Ausbildung genutzt wurde, hat man das Messingschild, das Dingler als Hersteller auswies, abgenommen und eingeschmolzen3).

Charakteristisch für Dingler ist zu dieser Zeit die Ausfachung (Fachwerk) im Rahmen, die sich auch bei weiteren Pressen findet (s.u.), dann aber einer einfacheren Formgebung weicht. Die Stütze der Karrenbahn ist aus einem Flacheisen gefertigt, erst bei späteren Ausführungen wird sie ein Gussteil. Das Bild4) zeigt die Presse im Jahr 1932 vollständig und korrekt zusammengebaut.

Interessant ist die sichtbare Reparatur des Rahmens, der an dieser Presse, wie an vielen anderen Stanhope Pressen anderer Hersteller, zersprungen ist. Diese Reparatur wurde vermutlich durch Dingler durchgeführt.

Bis zum Ende 2025 wurde die Presse in einem Zustand ausgestellt, der erstmals 1957 dokumentiert wurde. Sie ist sie falsch montiert und daher schlecht erkennbar, der hölzerne Fuß wurde grob eingekürzt und es fehlen Bauteile, z.B. der Rückstell-Hebel mit dem Gewicht und die Kurbelmechanik zum Bewegen des Karrens, andere Teile wurden durch vereinfachte Nachbildungen ersetzt. Dieser Zustand soll durch behutsame Korrekturen und Ergänzungen verbessert werden. Die Presse soll optisch und funktionell aufgearbeitet werden, dass sie als Stanhope Presse dem Bild von 1932 entspricht und zum Drucken eingesetzt werden kann.

Stanhope Presse Nr. 27

dingler_stanhope_27.jpgDingler hat die Stanhope Presse - verglichen mit der Wirth'schen Presse (s.o.) - weiterentwickelt. Die Presse mit der Baunummer 27 zeigt eine aufwändige, gegossene Stütze der Karrenbahn in Form einer Leier 5). Bei späteren Stanhope Pressen (z.B. an der Stanhope Presse Nr. 81) hat Dingler diese Stütze wieder deutlich vereinfacht.

Die Presse Nr. 27 hat in der Mitte des schweren Gussrahmens dasselbe Fachwerk wie an der Wirth'schen Presse.

Die Baunummer 27 war bei einem graphischen Betrieb in Esslingen im Einsatz, man erkennt am hölzernen Fuß den abgenutzten Bereich an dem sich der Drucker abstützte; der Rahmen weist offensichtlich keine Reparaturspuren auf.

1)
Christian Carl André, „Hesperus 1829“, in Hesperus, encyclopädische Zeitschrift für gebildete Leser (Cotta, 1829), Bayerische Staatsbibliothek.
2)
Baus, Martin, 2025, Die Homburger Presse in Regensburg, Pfälzischer Merkur 26./27. Juli 2025
3)
ebd.
4)
Stadtmuseum Homburg (Saar)
5)
Sammlung Streuber
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wiki/stanhope_presse_von_wirth.1783876206.txt.gz · Zuletzt geändert: 2026/07/12 19:10 von klausm

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