Dies ist eine alte Version des Dokuments!
Betonmischer
(Zweibrücker Industriekultur, Klaus Meissner, August 2025)
Elefanten aus Zweibrücken
Der Peschke „Elefant“
Die Webseite über den Firmengründer Carl Peschke liefert viele Informationen über die Familie und sein Wirken als Industrieller. Hier findet sich das Foto einer Betonmischmaschine die den naheliegenden Spitznamen „Elefant“ erhielt1). Aber was, außer der eleganten namensgebenden Form, ist so ungewöhnlich an diesem Mischer?
Peschke (Warenzeichen PEKAZETT ab 1927 aus: Peschke Karl Zweibrücken) wird allgemein mit Baukranen (Turmdrehkrane) in Verbindung gebracht, hat aber darüber hinaus die verschiedensten Baumaschinen und Baugerätschaften angeboten. Zu den Produkten gehörten auch Betonmischer die Peschke seit 1895 anbietet.
Diese Bauart eines Betonmischers mit einer speziellen Lagerung der Mischertrommel ergibt eine recht elegante Form von Mischern für Mörtel und Beton. Der technische Kniff erlaubte es, sehr erfolgreiche Mischmaschinen zu bauen und hat so zum Wachstum von PEKAZETT und weiterhin zum Wachstum der gesamten Baumaschinen-Industrie beigetragen.
Mörtel und Beton bestehen aus drei verschiedenen Komponenten, einem Grundmaterial unterschiedlicher Korngröße (wie Sand und/oder Kies), einem Bindemittel (Zement) und Wasser. Diese Bestandteile müssen intensiv gemischt werden bevor sie verarbeitet werden oder aushärten. Wenn größere Mengen benötigt werden, sind Mischmaschinen im Einsatz, die das Material oft im freien Fall vermengen, z.B. durch Schaufelblätter im Inneren von Trommeln, die beim Drehen der Trommel Material anheben und beim weiteren Drehen das Material wieder fallenlassen, die Masse durchmischt sich dabei.
Es hat unzählige Versuche gegeben Betonmischer auf verschiedenste Weisen anzutreiben, leicht zu befüllen und zu entleeren; Beispiele zeigen die Abbildungen. Die Verweildauer des Materials in der Trommel sollte unabhängig steuerbar sein und für bestimmte Anwendungen soll das fertige Material als eine Ladung gewonnen und abgegeben werden.
Der Mischer links2) ist auf einem Eisenbahnfahrgestell montiert. Er verfügt über eine leicht geneigte drehbare Röhre (Trommel) mit im Inneren spiralförmig angeordneten Schaufeln, die beim Drehen das Material anheben, mischen und dabei vom Trichter (Materialaufgabe) links zum Auswurf nach rechts fördern. Trommellänge, -neigung, Schaufelwinkel und Drehzahl bestimmen die Verweildauer des Materials in der Trommel. Die Bauart ermöglicht die kontinuierliche Herstellung der Mischung.
Dem Hansa-Mischer (rechts)3) wird das Material über den Aufzug rechts zugeführt und in der Trommel, die aus zwei Hälften besteht, portionsweise gemischt. Beim Befüllen und Mischen werden die Trommelhälften zusammengepresst, zum Entleeren werden sie getrennt (im Bild sichtbar) und das Material fällt nach unten heraus. Der Hansa-Mischer ist fahrbar, das Fahrgestell dient nur zum Bewegen der Maschine und nicht zum Transportieren und gleichzeitigen Mischen des Materials, wie heutzutage bei Fahrmischern üblich.
Eine besonders elegante Lösung der Trommellagerung ist die sogenannte kardanische Aufhängung, wie sie von Peschke mit dem „Elefanten“ auf den Markt gebracht wurde. Diese Aufhängung erlaubt auf einfache Weise das Befüllen, Mischen und Entleeren der Trommel ohne Anhalten der Drehbewegung oder Ändern der Drehrichtung. Das Material kann in einem Zug zugeführt, über eine passende Zeit gemischt und dann in einem Zug ausgeleert werden.
Als kardanische Aufhängung, (engl. gimbal) bezeichnet man das Aufhängen eines Gegenstandes in einem Rahmen mit Hilfe von zwei sich schneidenden, zueinander rechtwinkligen Drehlagern (vgl. Kardangelenk).
Die Abbildung4) rechts zeigt den „Elefanten“ im Schnittbild mit einem Verbrennungsmotor als Energiequelle. , Diese Mischer-Modelle wurden von Peschke auch mit einem Elektromotor als Antrieb angeboten. Der Motor trieb sowohl die Mischtrommel, als auch – über eine Seilwinde – einen Schrägaufzug mit Kübel (jeweils rechts im Bild) für das Material zum Befüllen der Trommel an. Die Schnittzeichnung zeigt die Trommel in der Stellung zum Befüllen, zum Mischen wird sie um die horizontale Achse um ca. 45° geschwenkt; man kann erkennen, dass die Trommel auf einem Zapfen in der Trommelmitte gelagert ist, das ist damit anders gelöst als z.B. bei dem Mischer in Abb.3 (oben), mit einer sichtbaren äußeren Lagerung.
Es heißt im Handbuch für Eisenbetonbau5) über die Peschke-Mischer… „Die Gründlichkeit der Durchmischung wird erreicht durch eine der Einfüllöffnung gegenüberliegende, am Boden der Trommel beiderseits festsitzender dachförmiger Schaufel. Das Mischgut wird von den dachförmigen Schaufelflächen bei der Drehung gehoben, mit herumgeführt und stürzt in der oberen Lage von der schrägliegenden Fläche freifallend wieder zur Hauptmasse nach der Trommelmitte.“
Das Konstruktions-Prinzip der kardanischen Aufhängung wurde in Zweibrücken von dem Ingenieur Christian Jakob Halm (* 27.03.1875 Baltmannsweiler, † 24.04.1950 Zweibrücken) entwickelt und ab dem 28.03.1914 pateniert (Abb. 6). Halms Name ist auf der Verkleidung des „Elefanten“ zu sehen (s. oben), ebenso wie der Hinweis auf das Patent.
Die Zeichnung aus dem Patent zeigt die Mischtrommel „a“ mit Öffnung „a‘ “ nach oben, in der Stellung, in der die Trommel befüllt wird. Die Trommel ist im Rahmen „c“ gelagert und kann in dieser Stellung um die senkrechte Mittellinie im Bild gedreht werden. Sie hat einen Zahnkranz „e‘ “ und wird durch die Achse „d‘ “ über ein Zahnrad angetrieben, dieses Zahnrad wirkt auf den Zahnkranz „e‘ “. Er wird kontinuierlich angetrieben, auch in den Positionen „I“ (Mischen) oder „II“ (Ausleeren).
Die Bilder6) zeigen einen „Elefanten“ (Baujahr und -nummer unbekannt) im Einsatz, das Fahrgestell steht auf Hölzern und ist gegen Wegrollen gesichert, der fertige Beton wird mit Feldbahnloren abtransportiert. Der Antrieb erfolgt über einen Elektromotor. Der Zahnkranz um die Mischtrommel ist großzügig abgedeckt und hat möglicherweise eine äußere Lagerung der Trommel mit Rollen. Das wäre im Gegensatz zu der Lagerung auf einem Zapfen wie im Patent beschrieben.
Wie sich die Peschke Mischer im Vergleich zu Marktbegleitern weiterentwickelt haben (z.B. der Jaeger-Mischer der Joseph Vögele A.G., damals Mannheim), ist noch zu untersuchen. Die im Patent beschriebene kardanische Lagerung der Mischtrommel ist weltweit millionenfach in verschiedensten Mischern angewendet worden. Solche Mischer sind nach wie vor Stand der Technik und können z.B. in Baumärkten erworben werden.

Diskussion