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wiki:medhurst_presse

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 ====== Dingler und die Medhurst Presse ====== ====== Dingler und die Medhurst Presse ======
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 +(Zweibrücker Industriekultur, Klaus Meissner, September 2025)
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 +[[wiki:druckerpressen|Zurück zu Druckerpressen von Dingler]]
  
 ===== Das Torsions-Kniehebelsystem von Medhurst ===== ===== Das Torsions-Kniehebelsystem von Medhurst =====
  
-{{ :wiki:medhurst_presse_von_loeser_faulmann_.jpg?400}}Der Engländer George Medhurst erfindet, vermutlich vor dem Jahr 1816((+{{ :wiki:medhurst_presse_von_loeser_faulmann_.jpg?300}}Der Engländer George Medhurst erfindet, vermutlich vor dem Jahr 1816((
 Walter Wilkes und Technische Hochschule Darmstadt, Hrsg., //Die Entwicklung der eisernen Buchdruckerpresse: eine Dokumentation//, 2., verb. Aufl (Lehrdruckerei d. Techn. Hochsch, 1988) Walter Wilkes und Technische Hochschule Darmstadt, Hrsg., //Die Entwicklung der eisernen Buchdruckerpresse: eine Dokumentation//, 2., verb. Aufl (Lehrdruckerei d. Techn. Hochsch, 1988)
 )), eine Presse mit wenigen Bauteilen aber einem eleganten und sehr wirkungsvollen Mechanismus – dem Torsions-Kniehebel. Das Bild zeigt eine Presse mit Torsions-Kniehebel von Löser aus Wien(( )), eine Presse mit wenigen Bauteilen aber einem eleganten und sehr wirkungsvollen Mechanismus – dem Torsions-Kniehebel. Das Bild zeigt eine Presse mit Torsions-Kniehebel von Löser aus Wien((
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-Zwei Stangen stützen sich verschränkt zueinander auf einem Ring ab, der sich um die Tiegelmitte drehen kann. Beim Drehen werden sie, je nach Drehrichtung mehr oder weniger verschränkt. Beim Strecken (d.h. dem Annähern an eine Ausrichtung parallel zur Hochachse der Presse) drücken sie den Tiegel abwärts. Da sich die Kontaktpunkte auf einer Kreisbahn bewegen, nimmt mit weiterer Verdrehung des Ringes der entstehende Druck überproportional zu, während gleichzeitig der zurückgelegte Tiegelweg abnimmt (Kniehebeleffekt). Die Presse beschreibt Krebs 1827 ausführlich in seinem Buch(( +Zwei Stäbe stützen sich verschränkt zueinander auf einem Ring ab, der sich um die Tiegelmitte drehen kann. Beim Drehen werden sie, je nach Drehrichtung mehr oder weniger verschränkt. Beim Strecken (d.h. dem Annähern an eine Ausrichtung parallel zur Hochachse der Presse) drücken sie den Tiegel abwärts. Da sich die Kontaktpunkte auf einer Kreisbahn bewegen, nimmt mit weiterer Verdrehung des Ringes der entstehende Druck überproportional zu, während gleichzeitig der zurückgelegte Tiegelweg abnimmt (Kniehebeleffekt). Die Presse beschreibt Krebs 1827 ausführlich in seinem Buch(( 
-Krebs, Benjamin, //Handbuch der Buchdruckerkunst//, Frankfurt 1827, S.528+ Benjamin Krebs, //Handbuch der Buchdruckerkunst//, Frankfurt 1827
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 ===== Ein einfacher aber wirkungsvoller Mechanismus ===== ===== Ein einfacher aber wirkungsvoller Mechanismus =====
  
-Das Prinzip von Medhurst ist beliebt und wird vielfach nachgebaut, z.B. in der Liebherr’schen Presse, die als Säulenpresse von Koch (München) bekannt wurde, oder der Presse von Löser aus Wien. Als „Deutsche Handpresse“ wird sie von vielen deutschen Herstellern angeboten. In den Vereinigten Staaten erhält Abraham Stansbury 1821 ein Patent auf eine Presse nach dem Prinzip von Medhurst.+Das [[Prinzip von Medhurst|Prinzip von Medhurst]] ist beliebt und wird vielfach nachgebaut, z.B. in der Liebherr’schen Presse, die als Säulenpresse von Koch (München) bekannt wurde, oder der Presse von Löser aus Wien. Als „Deutsche Handpresse“ wird sie von vielen deutschen Herstellern angeboten. In den Vereinigten Staaten erhält Abraham Stansbury 1821 ein Patent auf eine Presse nach dem Prinzip von Medhurst.
  
 ===== Dingler und der Mechanismus der Zweibrücker Presse ===== ===== Dingler und der Mechanismus der Zweibrücker Presse =====
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 ===== Die mysteriöse Presse ===== ===== Die mysteriöse Presse =====
  
-Eine etwas mysteriöse Spur führt ins Tessin bzw. nach Norditalien; der Typograf und Drucker Giovanni Mardersteig hat in seiner „Officina Bodoni“ (1922 – 1977) auf einer Handpresse Bücher für Bibliophile in ausgezeichneter Qualität gedruckt, er nennt seine Handpresse Dinglerpresse!+Eine etwas mysteriöse Spur führt ins Tessin bzw. nach Norditalien; der Typograf und Drucker [[wpde>Giovanni Mardersteig|Giovanni Mardersteig]] hat in seiner „Officina Bodoni“ (1922 – 1977) auf einer Handpresse Bücher für Bibliophile in ausgezeichneter Qualität gedruckt, er nennt seine Handpresse Dinglerpresse!
  
 „In der deutschen Bücherei in Leipzig hatte Mardersteig eine von Gottfried Dingler (1778-1855) entworfene Handpresse gesehen, die sich in ihrer Konstruktion und der ungewöhnlich soliden Bauart wesentlich von den üblichen Handpressen unterschied, in dem sich durch die Funktion dreier Säulen (deren mittlere sich bei Zug des Hebels vertikal verlängerte, während die äußeren aus schräger, zu senkrechter Stellung gebracht wurden) die ganze Fläche des Tiegels absolut horizontal, dem auf der Druckplatte stehenden Satz näherte und dann mit höchst gleichmäßigem Druck den Tympan berührte. Er entschied sich, eine dieser Pressen zu erwerben, die in über 50 Jahren weder Reparaturen noch Ersatzteile erfordert hat.“(( „In der deutschen Bücherei in Leipzig hatte Mardersteig eine von Gottfried Dingler (1778-1855) entworfene Handpresse gesehen, die sich in ihrer Konstruktion und der ungewöhnlich soliden Bauart wesentlich von den üblichen Handpressen unterschied, in dem sich durch die Funktion dreier Säulen (deren mittlere sich bei Zug des Hebels vertikal verlängerte, während die äußeren aus schräger, zu senkrechter Stellung gebracht wurden) die ganze Fläche des Tiegels absolut horizontal, dem auf der Druckplatte stehenden Satz näherte und dann mit höchst gleichmäßigem Druck den Tympan berührte. Er entschied sich, eine dieser Pressen zu erwerben, die in über 50 Jahren weder Reparaturen noch Ersatzteile erfordert hat.“((
-Giovanni Mardersteig und Hans Schmoller, //Die Officina Bodoni: das Werk einer Handpresse, 1923-1977//, Maximilian-Gesellschaft, 1979, S.XXII+Giovanni Mardersteig und Hans Schmoller, //Die Officina Bodoni: das Werk einer Handpresse, 1923-1977//, Maximilian-Gesellschaft, 1979
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 Mardersteigs Besuch in Leipzig fand vor dem Jahr 1922 statt, denn ab dann druckte auf der gekauften Handpresse, zunächst in Montagnola di Lugano, später in Verona. Die Zuordnung der Entwicklung der Presse zu Gottfried Dingler, dem Onkel von Christian Dingler ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Mardersteig der Verleger des polytechnischen Journals um 1920 eher bekannt war als sein Neffe. Mardersteigs Besuch in Leipzig fand vor dem Jahr 1922 statt, denn ab dann druckte auf der gekauften Handpresse, zunächst in Montagnola di Lugano, später in Verona. Die Zuordnung der Entwicklung der Presse zu Gottfried Dingler, dem Onkel von Christian Dingler ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Mardersteig der Verleger des polytechnischen Journals um 1920 eher bekannt war als sein Neffe.
  
-===== War die Presse in der Officina Bodoni von Dingler =====+===== War die Presse in der Officina Bodoni von Dingler=====
  
-{{ :wiki:16023644551_1ecd969aef_o.jpg?400}}Die Presse, die Mardersteig verwendete, war offenbar nicht von Dingler. Zeichnungen dieser Presse (Kupferstiche und Holzschnitte, siehe nebenstehendes Bild(( +{{ :wiki:16023644551_1ecd969aef_o.jpg?300}}Die Presse, die Mardersteig verwendete, war offenbar nicht von Dingler. Zeichnungen dieser Presse (Kupferstiche und Holzschnitte, siehe nebenstehendes Bild(( 
-Giovanni Mardersteig und Hans Schmoller, //Die Officina Bodoni: das Werk einer Handpresse, 1923-1977//, Maximilian-Gesellschaft+ebd.
 ))) sowie ein Foto im Internet, zeigen eine Presse mit Medhurst-Mechanismus, der Rahmen der Presse scheint aber nicht von Dingler zu sein. ))) sowie ein Foto im Internet, zeigen eine Presse mit Medhurst-Mechanismus, der Rahmen der Presse scheint aber nicht von Dingler zu sein.
  
wiki/medhurst_presse.1757944774.txt.gz · Zuletzt geändert: 2025/09/15 15:59 von klausm

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